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Nordic Times 7. Ausgabe
Februar 2007
Diabetikern den Druck
nehmen
Dirk Molitor, Orthopädieschuhmachermeister und Fachmann auf dem
Gebiet der Schuhanpassung für Diabetiker im NORDIC
TIMES-Interview über die Notwendigkeit orthopädischer Maßnahmen
bei den Füßen zuckerkranker Menschen
Bei Diabetes denken die meisten Menschen zunächst nicht an die
Füße.
Doch warum ist Ihre Arbeit von so großer Bedeutung für
Zuckerkranke?
Die Füße von Diabetikern sind
besonders gefährdet. Gerade das Gehen
birgt die Gefahr der Überbelastung. Falsches Schuhwerk gehört zu
den
Hauptursachen diabetischer Fußkomplikationen. Durch zu enge
Schuhe kann
es zu Druckstellen oder Wunden kommen. Diese können sich infolge
der
herabgesetzten Abwehrfunktion gegenüber Keimen und Bakterien zu
schweren
diabetischen Fußgeschwüren ausweiten. Füße von Diabetikern
werden 40 mal
häufiger amputiert als bei Nichtdiabetikern. Mit speziellen
Schutzschuhen und Fußbettungen ist es möglich, den diabetischen
Fuß
individuell zu versorgen.
Wie sehen solche speziell angefertigten Schuhe aus?
Durch die Verwendung
anschmiegsamen, elastischen Materials wird der
Schuh durchgehend gepolstert. Somit sind keine störenden und
wundverursachenden Nähte mehr vorhanden. Außerdem wird auf einen
druckfreien Zehenbereich und ein weiches Fußbett geachtet.
Wie sieht diese orthopädische Schuhanpassung handwerklich aus?
Es geht darum Druckbelastungen zu
vermeiden und Druckstellen frühzeitig
zu erkennen. Problematisch ist dabei eine eingeschränkte
Empfindungsfähigkeit des Diabetikers, die sogenannte sensorische
Polyneuropathie. Über- und Fehlbelastungen, drückende Schuhe und
daraus
resultierende Verletzungen des Fußes werden auf Grund der
Empfindungsschwäche des Diabetikers nicht ausreichend oder
überhaupt
nicht wahrgenommen. Um diese Empfindungsschwäche festzustellen –
oft
weiß der Diabetiker nicht einmal, dass er sie hat – führen wir
zunächst
einmal sensorische Tests durch. Die größte Gefährdung geht dabei
von der
Fußsohle aus, die dem größten Druck ausgesetzt ist. Mit dem
Verfahren
der Druckverteilungsmessung (Pedographie) wird eine exakte,
objektive
Messung des Drucks, der auf der Fußsohle lastet, durchgeführt.
Dabei
wird eine hauchdünne, elektronische Sensorfolie in den Schuh
eingelegt,
die die Daten beim Gehen und Stehen erfasst und graphisch
darstellen
lässt (s. Abbildung). Anhand dieser Daten kann eine
computergestützte,
individuelle Fertigung einer Fußbettung erfolgen. Unser
Qualitätsanspruch ist es, den Spitzendruck durch die Einlagen
mindestens
um 30 Prozent zu vermindern, um somit Druckschäden im Vorfeld zu
vermeiden. Als Ergebniskontrolle dient wieder die
Druckverteilungsmessung, diesmal mit der Einlage im Schuh.
Welche Rolle spielt die Passform des Schuhs – schließlich können
Druckstellen an den Füßen nicht nur an der Sohle entstehen?
Das Konzept passt nicht in jeden
Schuh. Um eine Druckentlastung zu
erreichen, darf der Fuß nicht eingeengt sein, die Einlagen sind
deswegen
eher etwas breiter gehalten. Mit mehr Weite allein ist es aber
nicht
getan. Der Schuh muss dennoch passen, es darf nichts scheuern.
Diabetische Konfektionsschuhe zeichnen sich außer durch einen
besonderen
Leisten auch durch ein spezielles Futter und natürlich das
Fehlen von
drückenden Nähten oder anderer Druckstellen im Innenbereich aus.
Es gibt
auch Spezialschuhe für walkende Diabetiker. Die besten kommen
unserer
Erfahrung nach von der Firma Etonic. Auch Asics hat sogenannte
Prophylaxe-Schuhe im Programm.
Was können Diabetiker darüber hinaus für Ihre Fußgesundheit tun?
Spaziergänge oder auch Nordic
Walking an der frischen Luft fördern die
Durchblutung, schaffen bessere Blutzuckerwerte und verbessern
die
Insulinwirkung. Außerdem dient die Bewegung dem Kalorienabbau.
Desweiteren ist ein positiver Einfluss auf die psychische
Verfassung des
Patienten zu erwarten. Im Frühjahr werden wir hier in Osnabrück
unseren
1. Nordic-Walking-Kurs für Diabetesbetroffene durchführen.
Hierbei
arbeiten wir zusammen mit dem DNV-Nordic-Fitness-Center
Osnabrück, den
in Osnabrück anssässigen Schwerpunktmedizinern im Bereich
Diabetes und
dem Deutschen Diabetiker Bund. Mehr Infos finden Interessierte
im
Internet unter www.molitor-os.de. |